Vertrauensnetze
Self-Sovereign Identity (SSI)
Self-Sovereign Identity (SSI) ist ein Modell digitaler Identität, in dem eine Person Nachweise von Ausstellern selbst hält und gegenüber Prüfern vorzeigt, ohne dass eine Plattform als Torwächter dazwischen steht. Das Dreieck aus Aussteller (issuer), Inhaber (holder) und Prüfer (verifier) überträgt die Rollen des Papierausweises ins Netz.
Self-Sovereign Identity (SSI) entstand aus einem institutionellen Problem: Eine Person muss einer Organisation aus der Ferne etwas beweisen, ohne dass eine Plattform dabei zum Torwächter wird. Typische Fälle sind Bankbescheinigungen, Diplome, Führerscheine und Altersnachweise. Das Gegenüber ist per Definition ein Fremder, es gibt keine Beziehung und keine ist gewollt, der Nachweis ist die einzige Währung. Das Whitepaper des First Person Project führt diese Bewegung auf die Blockchain-Welle zurück und nennt sie dezentrale Identität im Sinne von SSI.
So funktioniert es
Drei Rollen tragen das Modell. Der Aussteller (issuer) stellt ein Verifiable Credential aus und übergibt es dem Inhaber (holder). Der Inhaber speichert es in einer Wallet und zeigt es bei Bedarf vor. Der Prüfer (verifier) kontrolliert die Signatur und wertet das Credential gegen seine Richtlinie (policy) aus. Bei jedem Durchgang prüft er neu, und sein Prüflog wächst mit jeder Passage. Das W3C-Datenmodell beschreibt dieselben Rollen und ergänzt eine Verifiable Data Registry, die Bezeichner und Verifikationsmaterial vermittelt. Rollen sind dabei Funktionen: Eine Entität kann in einem Vorgang Inhaber sein und im nächsten Prüfer.
Im Vergleich
Die Foundations-Seite des Real Life Trust Protocol stellt zwei Muster nebeneinander. Die Prüfstelle (checkpoint) stammt aus SSI: Ein Fremder prüft Nachweise, und der Nachweis ersetzt die Beziehung. Die Einladung (invitation) kehrt die Richtung um. Eine Person befragt ihren eigenen Graphen, woher sie jemanden kennt, und lädt in einen gemeinsamen Ort ein. Die Entscheidung bleibt bei ihr und wird zur Beziehung. Der Graph selbst wächst aus Begegnungen, bei denen zwei Menschen einander bestätigen. Die Gegenüberstellung beider Muster steht im Eintrag Prüfstelle oder Einladung.
Der Decentralized Trust Graph von Trust over IP baut auf dem VC-Datenmodell auf und übernimmt damit die SSI-Rollen. Sein Beziehungsnachweis, die Verifiable Relationship Credential, ist als Hälfte einer bidirektionalen Peer-zu-Peer-Beziehung gebaut: Zwei VRCs, je eine pro Richtung, bilden eine Kante. Das Real Life Trust Protocol bleibt beim W3C-Format, verlegt aber den Schwerpunkt vom Vorzeigen vor einem Fremden auf die Begegnung, aus der ein Credential erst entsteht.
Einordnung
Diese Erläuterung gehört zu den Fachnotizen über das Real Life Trust Protocol und gibt den Stand der Spezifikationen vom Oktober 2026 wieder.
Quelle
Self-Sovereign Identity (SSI) in drei Sätzen
Self-Sovereign Identity (SSI) ist ein Modell digitaler Identität, in dem eine Person Nachweise von Ausstellern selbst hält und gegenüber Prüfern vorzeigt, ohne dass eine Plattform als Torwächter dazwischen steht. Das Dreieck aus Aussteller (issuer), Inhaber (holder) und Prüfer (verifier) überträgt die Rollen des Papierausweises ins Netz.