Vertrauensnetze
Stern (star) und Sichtgrad in RLTP
Der Stern (star) ist im Real Life Trust Protocol ein Artefakt, mit dem ein Kontakt die eigenen Kontakte zu denen eines Gegenübers in Beziehung setzen lässt, ohne Anker preiszugeben. Je betroffenem Kontakt zählt entweder nur die Gesamtzahl (count) oder ein verblindeter Eintrag (blinded); welche Form gilt, legt der betroffene Kontakt mit seinem Sichtgrad fest.
Der Stern (star, star@1) ist ein Artefakt, mit dem eine Person einem Gegenüber zeigt, wie ihr eigener Kontaktkreis zu dem des Gegenübers liegt, ohne einen Anker zu nennen. Er beantwortet eine Frage, die bei einer Beziehung ohne Gruppe naheliegt: Haben wir gemeinsame Bekannte, und wie viele?
So funktioniert es
Jeder betroffene Kontakt kommt im Stern in genau einer von zwei stehenden Formen vor. Bei count geht er nur in die Gesamtzahl ein. Bei blinded erscheint sein Anker als HMAC(k, Anker-Bytes), also als verblindeter Wert, den nur ein Empfänger mit passendem Schlüssel abgleichen kann. Der Schlüssel entsteht aus einem X25519-Austausch der beiden Paar-Schlüssel und aus einem Salz, das die Zustellsequenz der Richtung ist; die zwei Richtungen einer Beziehung teilen nie einen Schlüssel. Ein Stern wird in Stücken zu höchstens 1024 verblindeten Einträgen zugestellt, und die Vereinigung darf die Gesamtzahl nicht übersteigen.
Die Wahl zwischen count und blinded trifft der betroffene Kontakt mit der Grad-Erklärung (grade-declaration@1). Sie ist ein Designated-Verifier-Artefakt, gilt also nur für ihren Adressaten. Gilt keine verifizierte Erklärung, etwa weil keine eintraf oder der MAC nicht stimmte, ist der wirksame Grad count (fail-closed). Eine Wartezeit von 24 Stunden ab der Aufnahme (grade-wait) ist festgelegt.
Der Stern wird absichtlich nie signiert. Eine Signatur würde gegenüber Dritten beweisen, dass genau diese Werte der Kreis der Person sind, und Fälschbarkeit ist hier eine Anforderung. Konsumenten dürfen den Stern deshalb nicht als Beleg für die Beziehungen des Absenders behandeln: Er kann auslassen, erfinden und je Empfänger variieren. Ein roher Anker eines Dritten darf in keinem Stern stehen, und einen Grad „zeigen“ gibt es nicht. Wer einem Fremden einen Kontakt offenlegen will, tut das über eine Vorstellung.
Im Vergleich
Der DTG-Ansatz setzt auf Beweise über Beziehungen. Das First Person Project beschreibt als geplante Beweisarten etwa „mindestens Y Verifiable Relationship Credentials in einem Personhood-Ökosystem“ als Zero-Knowledge-Proof. Die DTG-Credentials-Spezifikation nennt solche Prädikate selbst Anforderungen an Schemas statt fertiger Konstruktionen, die Protokolle lägen bei der ZKP Task Force als Vorschlag. RLTP verzichtet an dieser Stelle auf Zero-Knowledge und gibt mit Absicht keinen Beweis: Zahl und verblindete Werte überzeugen nur den Empfänger, und ein Count ist frei beanspruchbar, hat also laut Spezifikation keine Glaubwürdigkeit. Zero-Knowledge-Prädikate für RLTP sind in der Spezifikation als Machbarkeitskarte eingeordnet; eine geprüfte Bibliothek dafür fehlt.
Einordnung
Diese Erläuterung gehört zu den Fachnotizen über das Real Life Trust Protocol und gibt den Stand der Spezifikationen vom Oktober 2026 wieder.
Quelle
https://trust-protocol.real-life.org/understand/foundations/
Stern (star) und Sichtgrad in RLTP in drei Sätzen
Der Stern (star) ist im Real Life Trust Protocol ein Artefakt, mit dem ein Kontakt die eigenen Kontakte zu denen eines Gegenübers in Beziehung setzen lässt, ohne Anker preiszugeben. Je betroffenem Kontakt zählt entweder nur die Gesamtzahl (count) oder ein verblindeter Eintrag (blinded); welche Form gilt, legt der betroffene Kontakt mit seinem Sichtgrad fest.